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4 erinnere mich gut daran, dass es ein besonderes Erlebnis war: Seine charismatische Ausstrahlung und extreme Musikalität bewegten und beeindruckten mich tief. Großartig, jetzt mit ihm in München zu arbeiten! Unser Publikum kennt ihn als Dirigenten auf der Bühne. Sie kennen auch den Menschen. Was zeichnet ihn Ihrer Meinung nach aus? Das ist einfach: seine Humanität. Eine starke Verbindung zu Menschen ist für ihn und sein Tun essentiell. An seinem Umgang mit Menschen merkt man, wie sehr sie ihn interessieren und wie genau er sie beobachtet. Berufliche Stellung oder Position sind da natürlich auch immer ein Faktor, aber ich erlebe oft, dass ihm das eigentlich nicht so wichtig ist. Er geht mit einer faszinierenden Offenheit auf Menschen zu – das imponiert mir. Besonders gut kann man das an seinem Engagement für den Nachwuchs beobachten. Viele unserer Konzertbesucher haben vielleicht die Gewinner des letzten Tschaikowsky Wettbewerbs gehört, die im Rahmen unseres Festivals MPHIL 360° auftraten. Gergiev war 2015 Schirmherr des Wettbewerbs und hat die Teilnehmer mit einem ungewöhnlich hohen persönlichen Einsatz begleitet. So habe ich das wirklich nie erlebt! Er war immer anwesend, wusste, wer vielleicht gerade mit privaten Problemen kämpft und erkundigte sich danach. Individuelles und konstruktives Feedback zu ihrer musikalischen Präsenz und Performance bekamen die Teilnehmer stets von ihm selbst. Er ist »Die Arbeit mit Valery Gergiev empfinde ich als sehr inspirierend. Sein Wissen um Klangbalance und Zusammenspiel im Orchester, seine starke Ausdruckskraft und Kreativität beeindrucken mich.« Katharina Schmitz, Geigerin der Münchner Philharmoniker in meinen Augen ein sehr guter, erfahrener Coach und ist immer bereit, andere von seiner Erfahrung profitieren zu lassen. Hat er Potential in einem jungen Talent entdeckt, nimmt er denjenigen regelmäßig zu Konzerten mit und verhilft ihnen zu eigener Konzertpraxis. Diesen Sprung ins Konzertleben an der Seite eines Künstlers wie Gergiev zu wagen, ist ein unglaubliches Geschenk für junge Musikerinnen und Musiker. Gergiev selbst hat sein Musikstudium nicht als Dirigent, sondern als Pianist begonnen. Haben Sie ihn mal am Klavier gehört? Ja, das war letzten Sommer um 3 Uhr morgens zu Hause bei Maxim Schostakowitsch. Er spielte Johann Sebastian Bach. Geradezu berüchtigt ist Gergiev für sein immenses Arbeitspensum und seine ambitionierte Zeitplanung. Wie gehen Sie damit um? Klar ist die Zusammenarbeit mit ihm anspruchsvoll und er hat wirklich eine beneidenswerte mentale und physische Kondition! Es ist an uns, trotz laufender Planung eine gewisse Flexibilität zu erhalten, um auf künstlerische und kurzfristige Entscheidungen von ihm eingehen zu können. Die manchmal knappen Zeitkapazitäten, die für unsere Arbeit bleiben, macht er durch eine große Intensität und Kreativität wett. Sein


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