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19 Weitere Konzerte mit Barbara Hannigan und den Münchner Philharmonikern finden am 29. und 30. April 2016 in der Philharmonie im Gasteig statt. »Dirigieren ist die natürliche Erweiterung meiner Beziehung zur Musik, eine Vertiefung dessen, was ich tue«, schildert sie. Wäre da nicht ein entscheidender Unterschied: »Beim Dirigieren muss man seine Vorstellungen einer großen Gruppe von Leuten vermitteln. Sie müssen diese Überzeugung nicht unbedingt teilen, aber sich bereitwillig dafür einsetzen. Ich brauche immer ein großes ›YES!‹ von jedem Kollegen.« Unnötig findet sie dagegen den Taktstock, lieber verlässt sie sich direkt auf ihr »Instrument«, den Körper. Dieses Instrument durchläuft vor jedem Einsatz ein gründliches Warm-up, egal ob für Singen oder Dirigieren. »Es ist im Grunde immer der gleiche Prozess: Der Körper, die kreative Seele, alles wird aufgeweckt und in einen Modus versetzt, in dem alles bereit ist für die folgende Probe oder Aufführung.« Im Jugendkonzert am 28. April 2016 in der Philharmonie stehen neben der »Lulu «-Suite noch zwei weitere Werke auf dem Programm: die »Symphony in Three Movements « von Igor Strawinsky und zu Beginn des Konzerts die »Atmosphères« von György Ligeti, eines der prominentesten Stücke der letzten Jahrzehnte. Schließt man die Augen, könnten man meinen, dass da gar kein Orchester spielt, so unerhört flirren, wabern und beben die Klangflächen, fächern sich auf, steigen, fallen und verlöschen. Unmittelbar darauf folgt die »Lulu«-Suite, attacca, ohne Applaus dazwischen. Hannigan hat sich entschieden, die beiden Werk eng aufeinander folgen zu lassen. Wenn die Klangflächen Ligetis nach und nach verebben, ist für einen kurzen Moment kein Ton mehr im Raum, nurmehr energiegeladene Atmosphäre, die Publikum und Künstler gleichermaßen umfängt. Aus dieser Konzentration heraus erblühen die zarten Anfangstöne der Suite. Ohne Publikum wäre dieses Experiment unmöglich. Denn gerade die Verbindung zwischen den Menschen vor und auf der Bühne befeuert jedes Live-Konzert. Barbara Hannigan sieht es als »symbiotische Beziehung, in der jeder bereit ist, selbstlos zu sein«. Es lohnt, sich darauf einzulassen!


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