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26 stadt. Und ich realisierte multi-disziplinäre, partizipative Musikevents mit Communities in Tohoku, einem Erdbebengebiet in Japan. Das alles hat mein Verständnis von der Rolle, die das Komponieren von Musik in der Gesellschaft einnehmen kann, erweitert. Du arbeitest sehr offen und gehst spontan auf Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Projektes ein. Was ist dabei wichtig? Gibt es »Techniken«, die du uns verrätst? Vorweg: Es gibt Techniken, aber es muss immer einen Grund geben, weshalb man sie nutzt und sie dürfen nicht im Vordergrund stehen. Da man mit Menschen arbeitet und auf jeden Einzelnen neugierig ist, steht das, was sich in der Zusammenarbeit entwickelt, im Vordergrund. Ein Plan und ein Konzept stehen am Beginn eines Arbeitsprozesses, aber wichtig ist, dass man sich treu bleibt. Und die Menschen, mit denen man arbeitet, als Kollegen begreift. Wenn man mit den ersten Workshops eines Projekts beginnt, muss man vertraute und »sichere« Orte schaffen, in denen Austausch frei und auf demokratischer Basis stattfinden kann. Cathy Milliken wurde in Brisbane geboren und prägt seit Jahren mit einer Vielzahl von Projekten und Workshops den Education-Bereich. Auftragswerke komponierte sie u. a. für die Staatsoper Berlin, das Ensemble Resonanz oder den Bayerischen Rundfunk. Derzeit promoviert sie an der Griffith University in Brisbane und lebt als freischaffende Komponistin, Oboistin sowie als Creative Director in Berlin. Wie würdest du einen richtig guten Musikvermittler beschreiben? Er oder Sie hat Spaß und Freude an Musik, Neugier für das Neue und Unerwartete, muss aber auch gut planen und sehr gut improvisieren können. Unlängst las ich über »künstlerische Musikvermittlung«. Für mich ist das immer auch eine künstlerische Arbeit, denn sie erfordert exzellente Fachkompetenz, schnelles Reagieren, exaktes Zuhören und dass man stets mit Gefühl und Verstand dabei ist. Aber am wichtigsten ist: Man muss die Teilnehmer stützen, aber nicht bestimmen! Seit 1990 komponierst du für unterschiedliche Genres. Haben deine Werke auch einen Education-Bezug? Oder komponierst du mit einer ganz anderen Perspektive? Das ist eine interessante Frage. Ich promoviere gerade über Komposition und Kollaboration bzw. Partizipation. In der Tat fangen meine verschiedenen Tätigkeitsbereiche an, miteinander zu verschmelzen. Ich merke da eine Kontinuität im Denken, eine Absicht für was, für wen und warum ich etwas komponiere. Alles, was ich mache, wird dadurch nicht essentiell anders, aber es entstehen Bezüge. Hast du ein ›Wunsch-Projekt‹? Klar! Eine Art neues Musiktheater-Werk, welches das heutige gesellschaftliche Miteinander untersucht: das Fremde, das Unbekannte durch die Partizipation von Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und mit unterschiedlichen Lebenswegen, das wäre ein Wunsch von mir. Dieses Stück würde in vielen verschiedene Räumen spielen und immer neue Besetzungen erlauben. Ich würde mir wünschen, das Werk zum Teil selbst zu komponieren und zu konzipieren. Einen Teil komponieren die Teilnehmer, andere entwickeln wir gemeinsam. Ein Kontinuum.


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