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25 Wann und wie hast du die Liebe zur Musik entdeckt? Musik war einfach Teil des Lebens, denn unsere ganze Familie sang und spielte Instrumente. Als ich ein ganz kleines Kind war, spielte meine Mutter am Klavier und sang dazu. Es war ein Stück über verschiedene Tiere und wie sie sich bewegten und ich habe dazu getanzt. Etwas später entdeckte ich meine Lieblingsplatten: ein Album der Folksängerin Julie Felix und eine Platte mit Mozart-Ouvertüren. Und dann bekam ich mit fünf Jahren den ersten Klavierunterricht. In deiner Heimat Australien hast du Oboe und Klavier studiert. Warum hast du dich für die Oboe entschieden? Ich wusste, dass ich Kammermusik machen wollte. Und den Klang der Oboe kannte ich von »Schwanensee«, da war die Wahl klar! Als Gründungsmitglied des Ensemble Modern bist du namhaften Komponisten wie György Ligeti oder Karlheinz Stockhausen begegnet. Hört und spielt man die Musik anders, wenn man mit dem Komponisten persönlich zusammenarbeitet? Auf jeden Fall ist es ein Geschenk! Mit Stockhausen hatte ich intensiv »In Freundschaft « vorbereitet und »Spiral« auch aufgenommen. Es war ein unvergessliches Erlebnis, wie Stockhausen im Studio an dem Stück arbeitete − er hat sozusagen weiter komponiert. Das Erlebnis mit ihm, mit Ligeti und anderen hat meine Ohren geöffnet. Es ist ein Fenster zu den Hörwelten anderer, wenn man intensiv mit Komponisten arbeiten darf. Und welche Musik hörst du privat am liebsten? Am liebsten höre ich ganz Neues, auch elektronische Musik und moderne Klassik, Renaissance, Barock und alle Arten von Liedern und Songs. Das Ohr ist neugierig, will lernen, will aber auch einfach mal genießen. Du warst von 2005 bis 2012 Leiterin des Education-Programmes der Berliner Philharmoniker. Bis heute gilt deren Arbeit in vielen Dingen als wegweisend. Wie hat dein Interesse für Musikvermittlung begonnen? Gab es ein spezielles Ereignis? Ja, ich wurde Anfang der 90er von Gillian Moore (jetzt »Dame« Gillian Moore und am Southbank Centre, damals Leiterin von London Sinfonietta) eingeladen, bei Kompositionskursen für junge Mitglieder des National Youth Orchestra of Britain im Team der Dozenten mitzuwirken. Dort traf ich Peter Wiegold, der jetzt an der Brunel University tätig ist und eine Akademie für Improvisation und Komposition in London leitet. Ich traf also Menschen, die sich ganz früh mit der Frage beschäftigten, welche Rolle Musik spielt und wie sie vermittelt werden kann. Ich lernte Methoden und Formen der Vermittlung, die ich mir zu eigen machte und von denen ich sehr profitiert habe. Welches Projekt lag dir besonders am Herzen und warum? Als freischaffende Komponistin verstehe ich das Komponieren auf vielfältige Weise: künstlerisch, sozial und educativ. Die Grenzen verschwimmen da oft. Bei den Berliner Philharmonikern waren die Stücke auf das Orchesterrepertoire bezogen und es entstanden schöne, multi-disziplinäre Projektreihen. Wir realisierten u. a. Projekte zu Ligetis »San Francisco Polyphony«, verschiedenen Werken von Stockhausen und entwickelten eine Reihe zu Wagners »Ring« mit Aufführungen in ganz Europa. In jüngster Zeit habe ich parallel zum ›normalen‹ Komponieren ein Projekt zu einem eigenen Orchesterstück durchgeführt, eine partizipative Oper, zusammen mit jungen Sängern in den Townships von Kap


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