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21 Dietmar Wiesner ist Mitbegründer und Flötist des Ensemble Modern und als Komponist tätig. Seit 2007 ist er regelmäßig Dozent und künstlerischer Leiter verschiedenster Education-Projekte. eingestellt und geteilt werden konnten. Letztendlich ist ein Projekt mit so vielen Beteiligten, die alle an der Entstehung mitwirken und nicht nur an der Aufführung, eine riesige Anforderung an die Kommunikation. Es geht ja nicht nur um Austausch alleine, man muss ab einem bestimmten Punkt auch sicherstellen, dass man eine gemeinsame Vorstellung davon entwickelt hat, wo die Reise hingehen soll. Es ist bestimmt auch interessant, gleichzeitig mit Laien und Profis zu arbeiten. Cathy Milliken: Unbedingt! Man lernt die Leidenschaft anderer Menschen besser kennen, die sich nicht unbedingt auf Musik beziehen muss. So ging es mir zum Beispiel, als ich die griechische Tanzgruppe besuchte und ich viele Hintergründe lernte, woher die Tradition kommt und spürte, wie wichtig ihnen das persönlich ist. Wenn wir diese Leidenschaft entdecken, erfüllt uns das als Profis auch. Im Projekt wurde dieser Tanz schließlich zu einem Tutti-Tanz, weil sich niemand dem Impuls entziehen konnte. Dietmar Wiesner: Einen anderen wichtigen Impuls bekamen wir aus der Saxophongruppe. Die hatte einen Akkord entwickelt und wir merkten: Der gilt eigentlich für alle, denn das war der »GAACH-Akkord« – genau diese vier Töne! Die Gruppe hatte das intuitiv entwickelt und wir mussten diese Impulse nur aufgreifen und verbinden. Welche Bühne habt ihr für diese Musiktheater Performance gewählt? Dietmar Wiesner: Wir bespielen die ganzen Foyers, beginnend in der Glashalle. Die Zuschauer wandern dann über den Carl- Orff-Saal durch die Ebenen des Philharmonie Foyers. So ist das Publikum selbst aktiv, gewinnt unterschiedliche Blickwinkel und es kommt zu einem direkten Austausch der Mitwirkenden mit den Gästen. Robyn Schulkowsky: Es geht auch um die klangliche Erfahrung dieses verschachtelten Raumes. Denn wenn hier am anderen Ende jemand spielt, hört man das, aber es klingt ganz anders, als würde man direkt davor stehen. So wird die Erfahrung des Hörens an diesem Ort zum Teil des Theaters. Das haben wir bewusst inszeniert. Bestimmt habt ihr bei der Arbeit an »GAACH« einige Überraschungen erlebt? Cathy Milliken: Da gab es so vieles. Ich habe mich einfach immer wieder über die schöne Offenheit für dieses gemeinsame Abenteuer gefreut. Robyn Schulkowsky: Überraschungen bringt der Prozess an sich, der sich nun mit den Proben vor der Premiere fokussiert. Das ist einer der tollen Momente, da nun viele Mitwirkende erstmals den Aufführungsort sehen, sich untereinander noch besser kennenlernen und sehen, was in den letzten zwei Jahren entstanden ist – das gibt eine wahnsinnig starke Energie. Gerade wenn weitere Mitwirkende, wie die Blasmusik der Münchner Philharmoniker, dazustoßen. Jetzt schaue ich immer öfter in erstaunt geweitete Augen, das mag ich! Man muss immer Optimist sein, um so etwas zu tun und daran glauben, dass das, was wir tun, etwas verändert. Und wenn es nur ein Moment voller Energie ist, dann weiß man, dass man das Richtige tut.


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