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17 Kennen Sie eine Komposition von Lorin Maazel? Sollten Sie aber. Der Name Maazel bleibt in erster Linie mit seinem brillanten Dirigat verbunden. Bis zu seinem Tod 2014 stand er als Chefdirigent am Pult der Münchner Philharmoniker. Weniger bekannt sind seine zahlreichen Kompositionen. Eine davon ist »The Giving Tree« für Orchester, Violoncello und Erzähler. Die märchenhafte Geschichte erzählt von einem Baum, der sein höchstes Glück darin findet, einem kleinen Jungen zuzusehen, wie er sich sich im Schatten seiner Zweige ausruht, mit seinen Blättern spielt und seine Äpfel isst. Der Junge wächst heran und auch seine Ansprüche werden größer. Der freigiebige Baum erfüllt sie so gut er kann. Denn wenn der Junge glücklich ist, ist er es auch. Maazel hat dieser Geschichte, ursprünglich ein Bilderbuch für Kinder, mit seiner Musik neue Farben gegeben, sie mit seinen Klängen bebildert. Beim 1. Jugendkonzert wird die Geschichte lebendig. Michael Hell, Solo-Cellist der Münchner Philharmoniker, spielt den Solo-Part, Erzählerin ist niemand geringeres als Dietlinde Turban Maazel. Sie führt das künstlerische Erbe ihres verstorbenen Mannes weiter und verwaltet auch den Nachlass an Skizzen und unvollendeten Kompositionen. Darunter fand sich auch der Entwurf eines Werks für den Malko Dirigentenwettbewerb in Kopenhagen. Sechzehn Partiturseiten hatte Maazel vollendet, die siebzehnte ist lediglich nummeriert. Dietlinde Turban Maazel entschied sich, die Blätter einem Komponisten zu zeigen: Wayne Oquin, Professor an der renommierten New Yorker Juilliard School. Oquin berichtet, wie angetan er von der Komposition war. Dietlinde bat ihn demnach, die Skizze als Ausgangspunkt für ein neues Werk zu nehmen. Nun ist das mit Fragmenten keine leichte Sache. Es ist unmöglich, die Komposition »werktreu« zu vollenden, schließlich kann niemand ermessen, was Maazel geplant hatte. Also entschied sich Oquin, einige Rhythmen, Harmonien und melodische Gesten aus dem Werk zu verwenden und frei weiter zu entwickeln. Mit eigenen künstlerischen Ideen verwob er sie zu einer neuen Komposition: »Echoes of a Solitary Voice«. Das Orchester ist ähnlich besetzt wie bei »The Giving Tree«. Zu Streichern und Bläsern treten hier Celesta, Harfe sowie im raschen Wechsel zahlreiche Schlaginstrumente, darunter Trommeln, Röhrenglocken und Xylophon. Ebenso rasch wandelt sich der Klang. Bald pulsierend rhythmisch, dann plötzlich wieder innig und verhallend. Vor allem für den Dirigenten ist das eine Herausforderung. Am Pult der Münchner Philharmoniker wird im Dezember Raphael Payare stehen, ein junger Dirigent aus Venezuela. Es ist seine zweite Zusammenarbeit mit dem Orchester und ein Konzert mit Musik, die vorder- und hintergründig zugleich ist. Die 5. Sinfonie von Schostakowitsch steht am Ende des Abends und schließt sich mit ihrer Vielschichtigkeit an die anderen beiden Werke an. Das 1. Jugendkonzert mit Werken von Maazel, Oquin und Schostakowitsch findet am 24. November um 19 Uhr in der Philharmonie im Gasteig statt. Andreas Korn führt als Moderator durch den Abend.


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