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11 Drei Plakate mit einem Wirrwarr an Begriffen hängen im Foyer der Philharmonie. Bei näherem Hinsehen stechen einzelne Wörter heraus: »Nacht«, »spannend«, »Horrorfilm«, »dunkel«. Auf einer Staffelei daneben sind Kreis- und Balkendiagramme zu sehen, ein paar Schritte weiter hängen bunte Kinderzeichnungen, teils wildes Gekritzel, teils klar erkennbare Formen. Für die Besucher des Uni-Konzerts am 30. Juni 2016 ist das ein ungewohnter Anblick. Zum elften Mal gibt es dieses Konzert speziell für Studierende, eine Kooperation von Münchner Philharmonikern, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Studentenwerk München. Aber das ist neu. Vor jeder Staffelei stehen Studierende des Instituts für Musikpägogik der LMU und erläutern die Exponate. Es sind die Ergebnisse ihres Seminarprojekts. Mit drei Klassen der Grundschule an der Paulckestraße im Münchner Stadtteil Hasenbergl haben sie die Musik des Konzerts gehört; nicht komplett, aber den Anfang jedes Werks. Die Kinder aus der 1., 2. und 4. Jahrgangsstufe erhielten vorab keine Informationen über die Musik. Nach dem Hören sollten sie ihre Eindrücke festhalten. Im Klassenzimmer. Zwei Studierende stellen sich kurz vor, verteilen Fragebögen. Unter jeder Frage steht eine Reihe von fünf verschiedenen Symbolen, aus denen die Kinder das passende ankreuzen sollen. Dann ertönt der Beginn der »Nachtstücke und Arien« von Hans Werner Henze. Nach gut einer Minute wird die Musik ausgeblendet. Die Kinder füllen ihre Bögen aus. In der ersten Klasse gibt es absolute Mehrheiten für den breit lachenden Smiley bei »Wie gefällt dir das Stück?« und die Helligkeitsstufe »strahlend hell«. Bei der Stimmung haben die meisten Kinder das Symbol »Hängematte « angekreuzt, für »entspannend wie Urlaub«. Zweite und vierte Klasse werten das Stück ganz anders. Hier liegen die Stimmung »spannend wie Detektivarbeit« und die dunklen Helligkeitsstufen klar vorn. Nur eine Minderheit fand das Stück ›gut‹. Recht einig sind sich alle drei Klassen beim Tempo. Gut die Hälfte aller macht ihr Kreuz beim »gehenden Männchen«. Die sitzenden, liegenden, stehenden und laufenden Männchen folgen mit wechselndem Stimmenanteilen. »EIN EINSATZKOMMANDO MIT NACHTSICHTBRILLE« Musik von Richard Wagner erklingt; der Anfang der »Morgendämmerung« aus der »Götterdämmerung«. Nun sollten die Kinder erzählen, an was sie bei der Musik gedacht haben oder zu welcher Situation die Klänge passen könnten. »Am Anfang war es ein bisschen gruslig und dunkel«, berichtet ein Erstklässler, »und am Ende hat es ein bisschen so ausgeschaut wie ein Schloss; so ganz hell.« Ein Klassenkamerad erzählt: »Ich hab gefühlt, dass ein Einsatzkommando mit Nachtsichtbrille durch ein japanisches Schiff fährt und Geiseln holen will.« Düster und unheimlich sind fast alle Beschreibungen. Zum Abschluss folgt das längste Stück: rund fünf Minuten aus Schumanns »Rheinischer «, die Exposition des ersten Satzes. Alle Kinder haben nun ein weißes Blatt vor sich und Stifte in den Farben Schwarz, Rot, Blau, Gelb und Grün. Sie sollen malen, was ihnen zu der Musik einfällt, ganz gleich ob gegenständlich oder abstrakt. Die vierte Klasse malt fast nur abstrakt, vorwiegend in Blau und Rot. Nur ein Kind malt keine wilden Linien, sondern einen goldgelben Siegerpokal. In der ersten Klasse ruft jemand kurz nach Beginn der Musik: »Ich mal´ eine Fahne!« – prompt haben viele andere


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