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SPIELFELD 8

5 Schulter an Schulter in der Philharmonie. Das fünfte »Patenschaftskonzert« steht am 19. Juni 2017 bevor, unter Leitung von Gustavo Gimeno. Zuvor spielen sie an gleicher Stelle bei »Der Gasteig brummt!« für Kinder. Auch über München hinaus ist der Ruf des ODEON prächtig. Unter der Leitung von Julio Doggenweiler Fernández erspielte sich das Orchester reihenweise erste Preise bei Wettbewerben in Deutschland, Österreich und den Niederlanden, jeweils in der Kategorie »Jugendsinfonieorchester«. Auslandsreisen führten nach Kroatien, Ungarn, Italien und mehrfach nach Chile. Im November 2015 gewann das ODEON den Bayerischen Orchesterwettbewerb mit voller Punktzahl. Zudem konnte es einen Sonderpreis einfahren: Eine Tonaufnahme in den Studios des Bayerischen Rundfunks. Die kostbare Studiozeit wollen die jungen Musiker nutzen, um drei Werke einzuspielen. Neben der Ouvertüre von Schostakowitsch sind es das »Souvenir bavarois« von Jörg Widmann, entstanden 2010, und die Suite aus dem Ballett »Estancias« des argentinischen Komponisten Alberto Ginastera. Dass die Stücke dermaßen unterschiedlich sind, macht die Detailarbeit wichtig. »HEADBANGING« MIT GEIGE Gerade die tänzerischen Sätze von Ginastera haben es in sich. Der Erste handelt von Landarbeitern auf einer Hacienda. Die Geigen informieren Céline Vaudé: »Das soll hässlich klingen, hat Julio gesagt. Alles Schöne soll weg.« Prompt kommt die Antwort: »Dann macht es so.« Anweisungen des Dirigenten gelten genauso viel wie gedruckte Noten. Unerwartet grobschlächtig poltern die Rhythmen, keine Spur mehr von Eleganz. Die schroffe Spielweise und der wummernde Puls spornen einige aus der Gruppe zu einer Runde »Headbanging« an. Wie auf Rock- oder Metal-Konzerten nicken ihre Köpfe zum Beat. Die Gruppe lacht, aber bleibt fokussiert. Genau das schätzt Céline an den Proben: »Die Begeisterung in der Konzentration«. Das Ensemble springe sofort auf jeden Hinweis an. Quirin Willert gefällt die Leichtigkeit und der Enthusiamus beim Proben. Da könne er für sein eigenes Spiel einiges mitnehmen. Fragt man die Mitspieler des ODEON, kann man die Begeisterung deutlich hören: »Die Dozenten haben halt total viel Orchestererfahrung«, erzählt Anna, die in der 2. Geige spielt. Ihr gefallen vor allem die Tipps, wie man eine Stelle zum Klingen bringt. Die Stücke gemeinsam einmal in der Probe durchzugehen, reiche natürlich nicht. »Da muss man zu Hause schon noch nacharbeiten, dass es sitzt«. Stella, ebenfalls Geigerin, sieht noch einen anderen Bonus in den Stimmproben: »Vor allem für das aufeinander Hören bringt es sehr viel«. DEN RHYTHMUS VERKÖRPERN Auf drei Stunden sind die Stimmproben an diesem Wintertag angesetzt, Pausen inklusive. Die Blechbläser sind so im Flow, dass sie erst nach 90 Minuten eine Pause einlegen. Die Geigen pausieren früher, sind aber auch nach fast zwei Stunden immer noch mit Verve bei der Sache. Jetzt geht es um eine Stelle im 5/8-Takt – Jadada-jada, jadada-jada. Der vertrakte Rhythmus muss verinnerlicht sein, damit er stabil ist. Céline lässt die Musikerinnen und Musiker zu den Betonungen mit den Füßen auf den Boden tippen und zwar während des Spielens; Multitasking für Fortgeschrittene. Tatsächlich klappt das alles gleichzeitig und die Passage rastet rhythmisch mehr und mehr ein. Ein weiterer Schritt auf dem Weg zum perfekten Orchesterklang.


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