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22 meinsam eigens einen Workshop besucht, um uns optimal zu präparieren. Dann übt zuerst jeder alleine für sich, um komplett neue Strukturen und Muster einzuüben und um sich diese gut zu merken. Die Musik lebt von Wiederholungen, also muss man sehr exakt üben.« Diese häufige Repetition braucht die Musik, um die Lieblingstechnik des Komponisten zu ermöglichen. Das sogenannte »Phasing«. Das meint eine allmähliche Verschiebung von Phasen, die Steve Reich entdeckte, als er zwei Tonbänder mit identischer Musik auf zwei Geräten synchron ablaufen ließ. Nach und nach wurde eine fast unmerkliche Tempodifferenz hörbar und führte zu rhythmischen Verschiebungen. Diese Technik wurde zur Grundlage vieler seiner Kompositionen und verstärkt den performativen Charakter des Konzerts. Der Effekt der Phasenverschiebung wird live beim Spielen erzeugt. Aber wie studiert man so etwas ein? »Wenn man Bewegung, Wiederholung und Musik verinnerlicht hat, übt das zunächst wieder jeder für sich: Man nimmt sich selbst auf und spielt dann dazu. Zuerst synchron und dann verlagert man ganz langsam den Schwerpunkt der Musik. Die Bewegung des Musikers muss dabei immer exakt gleich bleiben, denn an Dynamik oder Phrasierung ändert sich nichts.« So ein Stück besteht aus verschiedenen Verschiebungen, die sich dann wieder zu etwas Neuem finden. Woher kann man dann wissen, an welcher Stelle im Stück man sich gerade befindet? Sebastian lacht. »Das dauert. Aber wenn man die Struktur verinnerlicht, nicht die Töne, dann kann man sich nach und nach zurechtfinden. Man braucht Blickkontakt mit den Kollegen an entscheidenden Stellen – das ist ähnlich wie mit Stichworten im Theater. Wenn die kommen, bleibt alles im Fluss und man kann sich jederzeit orientieren. Wenn nicht, wird es schwierig, denn es gibt ja auch nicht die klassische Eins, auf der man sich wieder trifft.« Der Probenauf


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