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SPIELFELD 8

19 Ist das Quintett für dich dann so etwas wie ein Experimentierlabor? Genau. Man lernt zum Beispiel, dass jede Stimme wichtig ist. Beim Spielen im Orchester kann man das oft gar nicht so genau wahrnehmen. Es ist natürlich leichter, sich bewusst zu machen was passiert, wenn vier Musiker um einen herum spielen, als 120 andere Musiker. Aber letztlich sollte man immer versuchen zu verstehen, was um einen herum musikalisch los ist. Bei den Konzerten für Kinder sitzen eure jungen Zuhörer ja ganz nah am Geschehen, können euch auf die Finger schauen. Sind Kinder auch ein besonders kritisches Publikum? Ein besonders ehrliches Publikum! Schön war, als nach der ersten Aufführung von »Fünf Freunde auf Weltreise« Eltern zu uns kamen und sagten, sie hätten ihre Kinder noch nie so fasziniert erlebt. Vor den ersten Aufführungen war ich immer etwas nervös, aber das legte sich auf der Bühne schnell, weil Kinder rasch eine Sponaneität und Faszination für das Stück entwickelten. Da passieren dann Dinge, die man so zwar nicht erwartet hätte, die aber die eigene Nervosität ziemlich schnell verfliegen lassen. Man spielt einen besonderen Ton, lässt das Instrument krachen oder singen und die Kinder sitzen mit großen Augen und offenem Mund da, weil sie sowas noch nie erlebt haben. Satz waren es gefühlt fünf Minuten absolute Stille im Saal – wahrscheinlich war‘s in echt kaum eine Minute. In dem Moment war das aber so ein intensives musikalisches Erlebnis, einfach wunderbar. Ansonsten hab ich ganz oft Gänsehaut auch während des Spielens, weil es wunderschön ist, mittendrin zu sitzen und die ganze wundervolle Musik und Stimmung aus nächster Nähe spüren zu dürfen. Großes Sinfonieorchester oder kleines Bläserquintett – wo spielst du lieber? Im Orchester zu spielen ist für mich das Allergrößte, ein Lebenstraum. Aber im Quintett zu spielen, also Kammermusik zu machen, ist einfach ein wichtiger Teil meiner eigenen musikalischen Entwicklung. Während meines Studiums in Wien habe ich 2011 das »Webern Wind Quintett« mitbegründet. Mit diesem Ensemble wurden wir ausgewählt, zwei Jahre lang Österreich quasi als Kulturbotschafter im Ausland zu vertreten. Die erste Reise ging nach Teheran, an die Musikhochschule dort. Das war eigentlich die tollste Erfahrung, auch weil die jungen iranischen Musiker so wahnsinnig interessiert und begeisterbar waren. Später folgten noch Reisen nach New York, Ottawa oder Tokio. Mit den Stücken, die wir jetzt für die Kinder spielen, verbinde ich ganz viele Erlebnisse. Quintettspielen verfeinert die eigene Wahrnehmung total. Alle möglichen Rollen wechseln schnell hintereinander ab: Begleitung, Nebenstimme, Solo. Wenn du‘s schaffst im Quintett gut zu spielen, hilft dir das auch im Orchester. »Fünf Freunde auf Weltreise« Das Konzert für Kindergartenkinder ist zu erleben bei »Der Gasteig brummt!« am 16. März 2017 und im 3. Kindergartenkonzert am 23. März 2017. Weitere Aufführungen in der kommenden Saision.


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