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SPIELFELD 5

21 Geofrey, du spielst mehrere Instrumente, unterrichtest die Brassband im Kinderheim »Rainbow House of Hope«, spielst im Orchester der Musikschule u.v.m. – das alles neben deinem Job. Musik spielt also eine große Rolle in deinem Leben – erinnerst du dich an ein erstes Schlüsselerlebnis? Klar, ich war acht Jahre alt, als mich mein Onkel mit zum Chorsingen nahm. Das hat mir gut gefallen und als wir für den Präsidenten singen durften, hat er zum Dank allen die Hand geschüttelt. Da war mir klar, dass man durch Musik etwas erreichen kann. (lacht) Und wie kam es zum Horn? Ein Fußballfreund nahm mich als Jugendlichen mit zu einer Brassband. Die trugen eine Uniform, was mir gefiel, denn so sah jeder, wer zu dieser Gemeinschaft dazugehört. Ich war begeistert und wollte Teil dieser Gemeinschaft sein. Nach der kleinen Trommel begann ich mit Trompete, um mir mehr Respekt zu verdienen. Schließlich gab es in unserer Brassband ein altes Horn und niemand wusste damit etwas anzufangen, denn es gibt keine Lehrer für Horn in Kampala. Aber mich hat es interessiert und wenn man wie ich Trompete und Posaune spielt, sind zumindest einige Grundelemente klar. Also reparierte ich die Ventile mit Drähten aus Telefonleitungen und brachte mir das Spielen selbst bei. Maria Teiwes und Mia Aselmeyer von den Münchner Philharmonikern waren nach Jahren meine ersten Lehrer! Gibt es in Kampala so etwas wie eine Szene für Klassische Musik? Wenn, dann sind das meist Hotelkonzerte. Die sind gratis und auf Empfehlung kommen neben Hotelgästen auch Einheimische. Wenn ich Freunde mitnehme, fragen sie mich meist gleich, wann wieder so ein Konzert stattfindet. Aber für die Musiker ist es schwer, denn mit klassischer Musik kann man (noch) kein Geld verdienen. In Uganda verdient man wenig und muss dafür viel arbeiten. So bleibt kaum Zeit zum Musizieren oder gar zur Professionalisierung der Musiker. Einige der Musiker der Münchner Philharmoniker hast du während des Projekts in Uganda kennengelernt – in München konntest du das ganze Orchester im Konzert erleben. Wie war das? Alles war klar organisiert und das Orchester spielte so leicht und gut. Ich hatte vorher nie ein Orchester live gesehen und wusste erst gar nicht, wo ich hinschauen soll. Es hat mich wahnsinnig beeindruckt. Radu Lupu war Solist und spielte ohne Noten. In seiner ruhigen, konzentrierten Art merkte man, wie sehr er liebt, was er tut! Geofrey Lwigo ist 27 Jahre alt, hat einen Bachelor in Sozialer Arbeit und lebt in Kampala. Dort arbeitet er für eine Trinkwasserfirma und engagiert sich ehrenamtlich für obdachlose Kinder im »Rainbow House of Hope«. Er spielt Horn, Trompete, Posaune und Adungo (ein afrikanisches Saiteninstrument).


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