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19 Ludwig Wicki: Proben sind wichtig, um alle Feinabstimmungen und Nuancen wieder zu realisieren, die doch ausprobiert und wieder gefunden werden müssen. Da kommt noch dazu, dass der Stil dieser Musik nicht zum normalen Philharmoniker-Alltag gehört. So müssen das Orchester und die Sänger zusammen die gemeinsamen Grooves und Stimmungen wiederfinden. Die Schauspieler sind heute noch dieselben wie im Premierenjahr. Ist das etwas besonderes und wie sehr hilft das bei den Proben? Ludwig Wicki: Ich denke, das ist etwas Tolles und ganz Schönes. Es ist ein jährliches Wiedersehen mit richtiger Freude und auch Vorfreude, um gemeinsam diese Geschichte erleben zu dürfen. Ruth-Claire Lederle: Absolut! Es ist so schön, alle wieder beieinander zu haben! Natürlich ist es ungewöhnlich; viele Produktionen arbeiten von Haus aus mit Doppelbesetzungen, um vor Ausfällen geschützt zu sein. Aber ich habe bewusst darauf verzichtet, da ich auf die Einmaligkeit der Schauspieler bzw. Figuren setze. Ich glaube, der Flow in der Vorstellung lebt von der Vertrautheit der Schauspieler untereinander. Natürlich ist das manchmal anstrengend, weil sie sich dann auch wie Kinder verhalten und anstatt zu proben ständig quasseln müssen. Sie haben sich ja ein ganzes Jahr nicht gesehen! (lacht) Gibt es eine Rolle oder Figur, Nummer oder Szene, die euch speziell am Herzen liegt? Ruth-Claire Lederle: Bei den Figuren? Nein, das ist, wie wenn sie eine Mutter fragen würden, welches Kind ihr am liebsten ist! Bei den Szenen mag ich das Seeräuberschiff sehr. Die Musik braust auf, die Philharmoniker lassen es stürmen und donnern, die Musiker singen sogar mit, die Fantasie geht mit den Figuren durch, sie vergessen sogar Willi, finden aber zum »Seeräuberdatschi «, am Lagerfeuer wieder zusammen. Ganz großes Kino! Ludwig Wicki: Die Nummern sind sehr unterschiedlich und jede hat etwas ganz Spezielles, das mir gefällt. Alle liegen mir am Herzen... Eine Philharmonie voller Kinder – könnt ihr diese Atmosphäre beschreiben? Ludwig Wicki: Ein Saal voller begeisterter Kinder, Jugendlichen und auch Eltern ist etwas Besonderes. Die Kinder sind sehr spontan und haben den Mut, ihrer Freude laut Ausdruck zu verleihen. Das genieße ich und das bringt die Atmosphäre im Saal zum Knistern. Die Kinder halten sich nicht an sogenannte Konzert-Regeln, sondern zeigen, was sie fühlen. Ruth-Claire Lederle: Die Kinder sind so offen, für das was kommt: Sie sind laut und aufgeregt, neugierig und gespannt! Ein unglaublicher Lärmpegel bei 2.400! Und wenn sie gefangen sind, von der Geschichte und der Musik, sind sie mucksmäuschenstill, atmen mit, singen mit, wollen mit »in die Suppe« – wo bekommt man sonst so ein ehrliches Publikum? Ludwig Wicki: …das ist doch toll, nicht? Das wünsche ich mir manchmal auch vermehrt vom erwachsenen Publikum.


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