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18 Worin liegen die Herausforderungen bei Wiederaufnahmen? Ludwig Wicki: Erstens, dass es keine Routine Produktion wird, sondern, dass es das kindlich Neue behält. Dies ist sowieso enorm wichtig im Musiker-Alltag, denn zu schnell ist die Begeisterung und wahre Freude an der Musik, weshalb wir diesem Beruf nachgehen, vergessen. Ruth-Claire Lederle: …und zweitens muss man nach soviel Zeit erst einmal den »Originalzustand « wieder herstellen. Sich an den Ablauf erinnern, wo habe ich was gemacht und warum? Wir müssen als Gruppe wieder zusammen kommen, ein gemeinsames Gefühl entwickeln und die Rollen neu entdecken. Denn nur dadurch können sie wieder zum Leben erweckt werden. Alle Beteiligten kommen aus anderen Produktionen, haben viele neue Erfahrungen gesammelt und müssen wieder in das direkte und pure Gefühl der Kinder zurückfinden. Wie viele Proben gibt es vor jeder Wiederaufnahme – und wieso braucht es die überhaupt? Schließlich hat sich der Cast seit der Premiere nicht verändert. Ruth-Claire Lederle: Zwei Tage lang proben wir alle Chorstücke, Tanzchoreographien, alle Szenen und Solo-Stücke im Chorprobensaal, also im »Kleinen«, bevor die Proben auf der großen Bühne mit Orchester, allen Bühnenaufbauten und Requisiten starten… Ludwig Wicki: …die Schauspieler beginnen deshalb etwas früher, um wieder in die Songs und das Ensemble-Singen hineinzukommen. Das Orchester kommt im letzten Moment in einer Probe dazu und die Generalprobe gibt uns wieder ein Gesamtgefühl für das ganze Werk. Ruth-Claire Lederle: …die Generalprobe, das ist dann wie eine Vorstellung – nur ohne Publikum. Ruth-Claire Lederle ist Schauspielerin, Regisseurin und Dozentin für Schauspiel und Improvisation. Verschiedenste Engagements führten sie u.a. durch Potsdam, Stuttgart, Brixen, Dortmund und – München. Sie ist außerdem als Dozentin tätig, u.a. an der Abraxas Musical Akademie.


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